Virophilia und viRus: SOON Pop-Up bei sitem-insel

12 Oktober - 27 November 2020
Übersicht

In Zusammenarbeit mit dem Symbiont Space aus Basel zeigen wir eine forschende Ausstellung zum Leben, den Viren und ihren Darstellungen. Bio-Art vom feinsten bei Institut für Translationale Medizin und Unternehmertum sitem-insel.

Viren haben mediale Hochkonjunktur! Die Weltöffentlichkeit hat sich noch nie so stark mit diesen infektiösen organischen Strukturen befasst wie im Jahr 2020. «Das Virus» wurde zum Feind erklärt und besonders für Politiker waren Kriegsmetaphern im Kampf gegen das neuartige Corona Virus verlockend. Mit der aktuellen Ausstellung hinterfragt die Galerie SOON in Zusammenarbeit mit dem Basler Symbiont Space dieses Narrativ.

 

Die Natur funktioniert nicht nach menschlichen Gesetzen – Infektionen sind nicht einfach feindliche Angriffe, Unversehrtheit auf zellulärer Ebene eine Illusion. Tatsächlich sind auch wir zu einem guten Teil viral. Mindestens 8% des menschlichen Genoms sind viralen Ursprungs. Während wir uns zu immer grösserer Komplexität weiterentwickelt haben, suchten Viren die Effizienz und haben dabei - bis auf eine Handvoll essentieller Gene - alles über Bord geworfen. Es wirkt als hätte die Natur zwei verschiedene Wege eingeschlagen: Einer führt zu minimaler Schönheit, der andere zu ornamentaler Pracht.

Den Viren wird abgesprochen, lebendig zu sein. Sie vermehren sich nur in einer Wirtszelle – selbständig vollbringen sie keinen Stoffwechsel. Sprachliche Undeutlichkeiten finden sich aber überall, in der öffentlichen Wahrnehmung «überleben» Viren durchaus, z.B. auf Liftknöpfen und Smartphone-Screens oder in Aerosol-Tröpfchen. Wenn Viren eine Zelle infizieren, formiert sich gewissermassen ein lebendes System und das Virus vermehrt sich – ein kurzzeitiger Holobiont entsteht. So wird die Frage nach dem «Leben» zu einer philosophischen: Können wir denn selbständig leben oder sind wir nicht dauernd angewiesen auf Pflanzen, auf ein ganzes uns umgebendes Ökosystem? Das Leben ist nicht reduktionistisch, es ist ein zusammenhängendes System.

 

Mit dem Projekt «Virophilia» untersucht die taiwanesische Bio-Art Künstlerin Pei-Ying Lin seit 2018 die Vernetzung und permanente Symbiose mit Viren. In ihrer Arbeit brauchen wir keine Angst zu haben vor dem Virus als etwas Fremdes und Feindliches. Pei-Ying behandelt Viren als symbiontischen Teil von uns. Ihre Forschungen und spekulativen Designprojekte fragen nach dem viralen Holobiont, der womöglich eine engere Beziehung zu uns unterhält, als wir sie von unserem Mikrobiom kennen.

 

Feindbilder: Das Bedürfnis, uns ein Bild von Viren zu machen, ist so gross wie nie. Während der aktuellen Pandemie etablierte sich unbewusst eine Ikonographie von Viren, welche in einem weiteren Teil der Ausstellung untersucht wird. Viren sind selbst unter dem Elektronenmikroskop nur als verschwommene Sphäre sichtbar. Computergrafik-Spezialist*innen schufen in den letzten Monaten eine Vielzahl von Visualisierungen, die sich erstaunlich ähneln. Allen gemeinsam ist ihre haptische Qualität – sie helfen buchstäblich, die Pandemie und den Feind greifbar zu machen. Es entstand ein homogenes Bild von Viren, gleichermassen abstrakt wie bedrohlich. Unter dem Titel «viRus» sind ausgewählte «Ikonen» zu sehen, die zur Reflektion des öffentlichen Umgangs mit einem hochkomplexen – und allzu oft auf simple Schemen reduzierten –Thema  anregen.

 

Standort & Öffnungszeiten:

12.10.2020 - 27.11.2020

Mo-Fr: 08-16h

sitem insel

Freiburgstrasse 3, 3010 Bern

Ausstellung in der Halle beim Empfang

freier Zugang über den Haupteingang

 

 

Virophilia erklärt von Pei-Ying Lin im Video

Ausstellungsansichten