Beat Schweizer - Ungefestigte Ufer / An der Frostgrenze & Skulpturen von Christian Bolt: Münstergasse 62, Bern

2 - 25 Juni 2016

Wenn der Berner Fotograf Beat Schweizer die Kamera zur Hand nimmt, so geschieht dies nicht selten auf fremden Terrain. Schweizer, 1982 geboren, führt es auf seinen Reisen seit über zehn Jahren immer wieder in Länder und Regionen der Erde, die sich in ihrer Abgeschiedenheit, durch ihre klimatischen und auch gesellschaftlichen Verhältnisse ganz vehement von unserem gewohnten Umfeld unterscheiden. Seine beispielsweise im Kosovo, in der Ukraine oder in Russland entstandenen Fotografien nehmen den Betrachter gleichsam mit auf diese Reisen und geben ihm die Möglichkeit ganz und gar in diese Fremde einzutauchen.

Es sind aber immer auch soziokulturelle Erfahrungen, die der Fotograf in seinen Werken thematisiert und subtil hinterfragt. Mit den beiden in der Ausstellung gezeigten Serien, Диксон быт / An der Frostgrenze und den Werken der erst kürzlich mit dem Swiss Photo Award ausgezeichneten Serie PMR/ПМР – UNGEFESTIGTE UFER befinden wir uns plötzlich in der am Rand der Arktis gelegenen Nordsibirischen Ortschaft Dikson oder in Transnistrien, jenem kaum bekannten, zwischen der Ukraine und Moldawien gelegenen Land, das auch 25 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung von keinem UNO-Mitglied anerkannt ist. Schweizers Fotografien machen neugierig, sie gehen der offensichtlichen Andersartigkeit und Fremdheit auf die Spur und zeigen Momentaufnahmen und Stimmungen, Menschen, die keine allzu grossen Hoffnungen in die Zukunft in einem scheinbar verlorenen oder abgelegenen Landstrich setzen. Mit viel Fingerspitzengespür hat Schweizer diese Eindrücke eingefangen und bringt diese dem Betrachter nun in zum Teil surreal anmutenden Bildmotiven näher.

Ergänzt wird die Ausstellung mit ausgewählten Skulpturen des Bündner Bildhauers Christian Bolt. Fundus, Inspiration und Forschungsgegenstand seiner Arbeiten bildet der Mensch mit all seinen Möglichkeiten, das Werden im Sein. Bolt, 1972 geboren, geht es dabei stets um das Spannungsfeld zwischen dem was war, dem was ist, und dem was überhaupt möglich wäre. Den menschlichen Körper beziehungsweise die geformte Erscheinung des menschlichen Körpers versteht der Künstler daher nicht als blosses Abbild, vielmehr als geistige Möglichkeit. Mit seinen Skulpturen transportiert Bolt die archaische Konstante des Materials, die traditionelle Möglichkeit der klassischen Form und den eigenen bildhauerischen Gestus in die je eigene körperliche und mentale Wirklichkeit des Betrachters.